Mülltrennung - Ein Aufwand für die Tonne?

Wie sinnvoll ist Mülltrennung?
@ NeONBRAND/Unsplash

In Sachen Mülltrennung ist Deutschland ganz weit vorn. Doch ergibt die Wissenschaft der bunten Farben in meinem Innenhof wirklich Sinn oder ist das alles komplett für die Tonne?
"Tut es!", sagt Uta Auhagen, die bei den Berliner Stadtreinigungsbetrieben arbeitet und täglich unzählige Privatpersonen sowie Unternehmen zur Handhabung mit ihrem Abfall berät.

 

Mehr dazu lest ihr im folgenden Interview.

Die Fragen stellte Autorin Marie-Lena Nelle.

 

Ist Mülltrennung in Haushalten ökologisch sowie ökonomisch sinnvoll und welche faktischen Erfolge ließen sich dadurch sehen?

 

Auf jeden Fall, denn der Abfall wird NICHT wieder zusammen geschüttet! Getrennt und sortenrein gesammelt lassen sich vor allem Papier, Glas und Bioabfälle sehr gut stofflich wiederverwerten. Bei Metallen, Tetrapaks und sortenreinen Kunststoffen aus der Wertstofftonne ist das auch so. Lediglich bei Mischkunststoffen und anderem Verpackungsmix ist nur eine energetische Verwertung möglich.

 

Als Erfolge kann man sicherlich die Sammelmengen bezeichnen, die mit ihrer Verwertung wieder zu neuen Produkten werden:

Welche Motivation habe ich, als "normaler" Bürgerin, den Müll zu trennen?

 

Als Motivation dient u.a. die Gewissheit, ökologisch und volkswirtschaftlich Sinnvolles zu tun. Die sortenreine Erfassung von Abfällen ist die Grundlage zur Schaffung neuer Produkte und unabdingbar zur Schonung von (endlichen) Ressourcen. Insofern dient Abfalltrennung auch dem Klimaschutz.

 

Aber auch der Geldbeutel kann durch die Abfalltrennung geschont werden. Die Entsorgung der Papier-, Glas-, Bio-und Wertstofftonne ist entgeltfrei oder um einiges günstiger als die der Restmülltonne.

 

 

Was kann ich dagegen tun, wenn meine Mitmieter des Hauses den Müll nicht ordnungsgemäß trennen?  

 

Aufklären! Hilfreich sind auch die folgenden Info-Flyer:

 

https://www.bsr.de/assets/downloads/broschueren_miniflyer_abfall_2016.pdf

 

https://www.bsr.de/assets/downloads/broschueren_miniflyer_abfalltrennung_2016.pdf

 

https://www.bsr.de/assets/downloads/broschueren_miniflyer_wertstoffe_2016.pdf

 

 

Was bedeutet es für die BSR, wenn der Müll nicht getrennt wurde?

 

Der nicht getrennte Müll aus der Hausmülltonne (oder falsch befüllten anderen Tonnen) gelangt in unser Müllheizkraftwerk oder in Anlagen zur Ersatzbrennstoff-Herstellung. Metalle werden aussortiert, ansonsten werden Strom und Wärme aus dem Abfall produziert sowie im Müll enthaltene Schadstoffe umweltgerecht vernichtet. Die aufwändige Rauchgasreinigung der MVA sorgt dabei für saubere Luft. Auch die Schlacke aus der Müllverbrennung kann noch sinnvoll bei den Bautätigkeiten auf unseren Deponien verwendet werden.

 

Wenn z.B. Grünglas in der Weißglastonne entsorgt wird, kann es sein, dass kleinste Bruchstücke mechanisch nicht herausgeholt werden und somit neues Weißglas getrübt ist. Gleiches gilt für Fensterglas in der Weißglastonne.  Dieses kann schlecht mechanisch erkannt werden, ist aber in der Neuproduktion von Weißglasflaschen sehr problematisch, da Behältergläser andere Schmelzeigenschaften haben.

 

Beispiel Papier :Wenn sich feuchte Fremdstoffe wie Öl in der Papiertonne befinden, dann können Papierfasern leider nicht mehr recycelt werden. Die beschmutzte Pizzaschachtel sollte dann besser in den Hausmüll. Auch benutzte Taschentücher und Küchenkrepp sollten natürlich nicht in die Papiertonne.

 

 

Ein großer Teil der Müllmenge mit dem grünen Punkt wird verbrannt und nicht stofflich wiederverwertet. Wieso ist das so?

 

Zum einen landen noch viele Verpackungen mit oder ohne den Grünen Punkt (der ist nicht mehr vorgeschrieben) in der Hausmülltonne. Zum anderen lassen sich bestimmte Verpackungsverbunde stofflich nicht verwerten.

 

 

Die Biotonne ist bei einigen Menschen sehr unbeliebt, da diese lediglich das ökologische Gewissen beruhigen solle, jedoch viele Schädlinge anlocke. Welche Rolle spielt die Biotonne für Sie als Stadtreinigungsbetriebe und für mich als Bürger?

 

Das Biogut wird in der Vergärungsanlage zu Biogas verarbeitet. Mit diesem betanken die Berliner Stadtreinigungsbetriebe ihre Müllautos und sparen so jährlich 2,5 Millionen Liter Diesel und reduzieren den Ausstoß von klimaschädlichem CO₂. Das kommt nicht nur der Umwelt, sondern auch den Müllgebühren zugute.

 

Die Gärreste werden in der Landwirtschaft als Dünger und Kompost genutzt.

Somit wird das Biogut sinnvoll weiterverwendet und Sie tun gleichzeitig etwas Gutes.