Alles Tee? Auf die Qualität kommt es an!

@ Morgan Sessions/Unsplash
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„Ob ich morgen noch leben werde, weiß ich freilich nicht, doch dass ich, wenn ich noch lebe, morgen Tee trinken werde - das weiß ich gewiss.“ (Gotthold Ephraim Lessing)

 

Tee ist beliebt in Deutschland. So beliebt, dass der Deutsche-Tee-Verband für das Jahr 2016 einen Gesamtinlandsverbrauch auf Rekordniveau verkündete: 28 Liter Tee hat jeder Bürger des Landes   durchschnittlich getrunken.

 

Eine ganze Menge! Auch weil wir bei lipfein, nicht zuletzt wegen unseres Matcha-Zitrone Balsams, nicht auf Tee verzichten können, wird es Zeit für eine kleine Teekunde mit Oliver Seifert von KOS Tea, Direktimporteur von hochwertigen Tees aus bevorzugt biologischem Anbau.

 

Das Interview führt Autorin Marie-Lena Nelle.

Seit wann gibt es Tee  überhaupt und wie kam er zu uns nach Europa?

Die Angaben des Entstehungsjahres sind verschieden angegeben. Ich denke, man könnte sagen, dass er vor ca. 2500 Jahren auf jeden Fall in China schon als medizinisches Getränk bekannt war. Man kann aber davon ausgehen, dass Tee wohl schon länger als Muntermacher genutzt wurde.

 

Von China aus hat sich der Tee als Getränk und dessen Wirkung in Asien herumgesprochen und verteilt.

 

Nach Europa kam der Tee am Anfang des 17. Jh. durch die Niederländer. Bis nach Deutschland sollte es aber noch etwas dauern, zudem war Tee so teuer, dass sich diesen ohnehin nur die Oberschicht leisten konnte.

@ Ravi Pinisetti/Unsplash
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Wo und wie wird Tee produziert?

Tee wird vor allem in Asien produziert.

 

Der größte Produzent ist nach wie vor China, gefolgt von Indien und Kenia; viel später kommt Japan. Der größte Exporteur (prozentual zum Anbau) ist Kenia und die kleinste Exportmenge (mit unter 2%) stellt Japan zur Verfügung.

 

Produziert wird der Tee von einer Pflanze (Camellia sinensis), wobei es keine Rolle spielt, um welchen Tee - grün, weiß, schwarz - es sich handelt. Natürlich gibt es unterschiedliche Züchtungen und Veredlungen.

 

Im Frühjahr wird begonnen zu ernten. Die besten Tees beinhalten nur die Blattknospen der Pflanze, der normale Tee auch die beiden folgenden Blätter (man spricht von „one bud and two leaves“). Mindere aber dennoch schmackhafte Sorten können auch schon mal mehr Blätter nach der Knospe oder nur die unteren Blätter beinhalten. Je nach Region und Klimazone werden 1 bis 5 Ernten veranstaltet.

 

Nach der Ernte wird der Tee, je nachdem, in welcher Kultur und mit welchem Ziel, unterschiedlich verarbeitet.

Wichtig ist, dass bei Grünem Tee die Oxidation so schnell wie möglich gestoppt werden muss, dies geschieht durch Hitze. Bei Schwarzem Tee wird die Oxidation sogar noch provoziert, so dass diese schneller vonstatten geht.

 

Nach dem erwünschten Oxidationsprozess wird der Tee getrocknet und bei Bedarf veredelt, die Veredlung geschieht durch unterschiedliche Methoden. Zum Beispiel kann der Tee noch fermentieren, mit Aromen versehen oder mit anderen Tees geblendet werden.

@ 蔡 嘉宇/Unsplash
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Welche Tee-Sorten gibt es?

Das ist nicht zu beantworten, da es zu viele gibt! Aber hier vielleicht die Oberkategorien:

- Grüner Tee, - Roter Tee, - Weißer Tee, - Schwarzer Tee, - Gelber Tee, - PuEhr Tee, - Oolong Tee

 

 

Und welche Wirkungen haben diese jeweils?

Die Wirkung von Tee an sich erklärt sich aus seinen Inhaltsstoffen. Der Hauptgrund, Tee zu trinken, ist wohl das Koffein, welches zu einem Wachzustand führen kann.

 

Weiterhin gibt es die Annahme, dass Tee die Eisenaufnahme erhöht, was voraussetzt, dass man eisenhaltige Lebensmittel zu sich nimmt. Er wirkt antientzündlich und soll gegen hohen Blutdruck wirken.

 

Es ist immer etwas gefährlich, dem Tee bestimmte Wirkungen zuzuschreiben. Ich bin jedenfalls damit vorsichtig; Tee ist kein Allheilmittel, wirkt aber aus meiner Sicht sehr positiv auf den Organismus. Es ist natürlich auch abhängig davon, wo der Tee angebaut wurde, welchen Teil man von der Pflanze verarbeitet hat und wie er generell verarbeitet wurde und natürlich nicht zu vergessen, welche und wie viel künstliche Dünger und/oder Pestizide benutzt wurden.

 

Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass meine Tees etwas teurer sind, da ich darauf achte, möglichst Tees einzukaufen, die von künstlichen Düngern und Pestiziden frei sind, was aufwendig und langwierig ist.

@ Oleg Guijinsky/Unsplash
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Welche Sorte ist in Europa am beliebtesten?

Ich denke, Schwarze Tees sind in Europa immer noch am beliebtesten, vor allem milde Mischungen. Immer mehr Menschen erfahren von Grünen Tees und so sind im allgemeinen chinesische Grüntees auf dem Vormarsch, die aber mit japanischen Grüntees nicht zu vergleichen sind.

Woran erkenne ich qualitativ hochwertigen Tee?

Ich denke, es ist für den Laien schwer, die Qualitätsunterschiede festzustellen, gerade, weil es so viele verschiedene Kriterien gibt, auch abhängig davon, welchen Tee man bewertet.

 

Ein wichtiges Merkmal ist aus meiner Sicht, ob der Tee schmeckt.

 

Ein weiteres Merkmal ist, dass der Tee nicht zu bitter sein sollte und schon gar nicht nach Fisch oder anderen komischen Dingen schmecken sollte.

 

Ein „guter“ Sencha schmeckt leicht grasig, mit einer leichten Süße neben dem angenehmen bitteren Geschmack. Andere Tees können auch blumig oder brotig schmecken. Am besten, man wendet sich vertrauensvoll an einen Teefachhändler.

@ Alisher Sharip/Unsplash
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Gibt es Qualitätsunterschiede zwischen losem Tee und Teebeuteln?

Im Prinzip kann man sagen, dass loser Tee schon wesentlich besser ist, da man zum Einen die Teeblätter sehen und damit beurteilen kann und zum Anderen der Tee sich in der Kanne besser entfaltet.

 

Dennoch kann auch in einem Teebeutel eine „sehr gute“ Auslese von Teeblättern sein. Oft werden bei der Herstellung von losem Tee die kleinen Bestandteile des Tees aufgefangen und als Teebeutel verkauft. Insofern ist es die Frage, ob der gleiche Tee im Teebeutel schlechter ist als ohne diesen. Allerdings kommen jetzt noch zwei wichtige Fragen hinzu; hat der Teebeutel einen Eigengeschmack und beeinflusst dieser den Teegeschmack, kann der Tee sich genug entfalten? Ein anderer wichtiger Punkt ist, ob ein Teebeutel aus ökologischer Sicht sinnvoll ist. Ich denke, dass uns viel erspart bleiben würde, wenn wir keine Teebeutel bräuchten. Andererseits wäre Tee dann aber kein massentaugliches Produkt.

Dein Lieblingstee?

So einen richtigen Lieblingstee habe ich, glaube ich, nicht.

 

Ich trinke gern am Morgen Sencha, am Nachmittag einen taiwanesischen Oolong und zwischendurch ab und zu Matcha. Jeder Tee hat bei mir eine Bestimmung, um mich in eine bestimmte wohlige Stimmung zu bringen. Matcha ist natürlich ein ohnehin sehr besonderer Tee, da man ihn eigentlich aufgrund der geringen Menge  und des intensiven Geschmacks wie ein Dessert trinkt.

 

Vielen Dank für das Gespräch!